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Pflanzengeschichten Februar 2018

 

Die mystische Schwarzerle, die rote Erle 

Alnus glutinosa
Familie der Birkengewächse -Betulaceae

Schwarzerle 04.08.17 010 a

 

Sie liebt die feuchten Ufer über alles und darum lässt sie sich gerne im Auenwald nieder, im Erlenbruch das Reich der Erlenfrau, die Totengöttin.
Viele mystische Geschichten erzählt man sich über sie, Gedichte und Balladen wurden geschrieben wie der Erlkönig von Johann Wolfgang von Goethe 1782 und man glaubte immer an etwas Geheimnisvolles, ja sogar Unheimliches, wenn man nur an die Schwarzerle dachte. Irrlichter begleiten den Besucher in einer moorigen Erlenlandschaft, unerlöste Geister rufen, Nixen und Kobolde liegen da auf der Lauer. Es ist moorig, nebelig und die Tochter des Erlenkönigs, die Ilse, die Else oder Arle wartet auf ihren nächsten Bräutigam.

Die Erle steht für Beenden und Tod aber auch für Erneuerung und Wiedergeburt, denn alles Leben entspringt dem Wasser und beginnt im Wasser.
Man brach über den Verurteilten einen Erlenholzstab und warf die Stäbe dann in alle vier Himmelsrichtungen als Zeichen für den Ausschluss aus der Familie.
Noch heute kennen wir die Bezeichnung „über Jemanden den Stab brechen“.

Nach der Christianisierung wurde aus dem einst Muttergöttinnenbaum dann ein Hexenbaum.
Gleichzeitig war die Erle auch stets ein Schutzbaum gegen Hexenzauber, Teufelskram und allerlei Bösem.

Die Schwarzerle, die Pionierin ist ein Fruchtbarkeit bringender Baum, denn selbst auf unfruchtbaren Boden mag sie gedeihen. Dafür sorgen kleine Pilzkolonien (Aktinomyzeten Frankia alni) in ihrem Wurzelwerk. So kann sie den Stickstoff aus der Luft im Erdenreich binden und dafür gibt es für die Myzeten, Kohlenhydrate.
Diese segensreiche Symbiose sorgt für einen fruchtbaren Boden. Außerdem befestigt die Erle mit ihren Wurzeln die Ufer und es macht ihr überhaupt nichts, wenn ihre Füße länger im Wasser stehen; im Gegenteil sie saugen sich sogar mit Wasser voll und das Holz wird härter. Ich habe gelesen, dass halb Venedig auf Erlenpfosten gebaut ist. Ja, und man gebrauchte dieses Holz auch für Wassertröge und nicht zu vergessen Holzschuhe und Möbel.

Die Schwarzerle kann auch bei guten Bedingungen bis zu 40 Meter hoch werden aber meistens bleibt es bei 10 bis 25 Meter und kann bis zu 120 Jahre alt werden. Ihre Heimat umfasst Europa bis Westsibirien, Westasien und Iran.
Sie kreiert männliche und weibliche Blüten, die Erlenkätzchen. Die verholzten Fruchtzapfen hängen noch bis zum nächsten Frühjahr an den Bäumen.

Aus den Fruchtzapfen wurde einst Tinte hergestellt und die Borke diente der Schwarzfärbung, denn die Erle ist auch ein Färberbaum. Königspurpur nannte man die rote Farbe der Erlenknospen.
In diesen Zapfen der Erle befinden sich die Samen, die mit Luftpolstern ausgestattet sind und wenn sie ins Wasser fallen gehen sie nicht unter, sondern schwimmen zu anderen Ufern, wo sich dann neue kleine Pflänzchen entwickeln. Aber auch der Wind unterstützt den Flug der Samen, denn sie plumpsen nicht einfach nur runter.
Die Blätter der roten Erle sind wechselständig und sind eiförmig mit einer „eingedellten“ Spitze. Ihr Holz ist rötlich bis rot, das macht den Anschein, dass sie blutet, wenn ihr Holz geschlagen wird.
Alnus wurde auch zur Insektenbekämpfung genutzt. Dazu hängte man die jungen, klebrigen Triebe in den Wohnungen auf und die Insekten blieben eben dran kleben.
Aber leider wird auch dieser schöne Baum seit den 90ziger Jahren von einer tödlichen Krankheit heimgesucht, die durch Scheinpilze der Art Phytophthora alni, die in die Wurzeln des Baumes eindringen und Wurzelfäule verursachen. Durch das Erlensterben besteht nun die Gefahr, dass die Uferböschungen destabilisiert werden. Dieser Scheinpilz soll durch Fischbrutimporte aus Nordamerika in unsere Gewässer gelangt sein.

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Volksheilkundliches
Die Schwarzerle ist aber auch ein Heilbaum, die Traurigkeit und Schwere nimmt, sie lässt die Energien wieder fließen, so wie das Wasser an dessen Ufern sie steht.

Die Rinde, die Blätter, die Knospen und Kätzchen gehören in die volksheilkundliche Apotheke.
Rinde und Blätter der Schwarzerle sind stark gerbstoffhaltig sie wirken adstringierend und fiebersenkend.
Die frischen Erlenblätter wirken auch als Auflage bei Hauterkrankungen und unterstützen den Heilungsprozess.
Die Blätter werden zum Abstillen als Tee getrunken und als äußerliche Anwendung
Bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum und Zahnfleischblutungen helfen Abkochungen aus der Rinde als Gurgelwasser.
Die Rinde der jungen Triebe wirken bei innerer Anwendung leicht fiebersenkend.

Im Mittelalter stand man diesem Heidenbaum noch skeptisch gegenüber:
Hildegard von Bingen sagt über die Arla (Erle): „ Sie ist mehr warm als kalt. Sie ist ein Sinnbild der Nutzlosigkeit. Als Heilmittel taugt sie nicht viel, bloß bei leichten Hautentzündungen kann man durch Aufschlag ihrer frischen Blätter eine Linderung erreichen.“ (Naturkunde H.v. Bingen)

Interessant ist die Anwendung der Erlenknospen als Gemmo Mazerat.
Auch die Erlenknospen haben eine entzündungshemmende Wirkung. Sie werden als Gemmo Mazerat bei akuten Infektionen der oberen Luftwege und von Magen und Darm und Gallebeschwerden eingesetzt, u.a..
Dazu gehören Halsschmerzen, Mittelohrentzündungen, Nasenebenhöhlenentzündungen, Fliesschnupfen. Sie sollen bei Allergien und akuten Ekzemen helfen.
Außerdem wird das Immunsystem gestärkt.
Übrigens, Erlenknospen sollen die Durchblutung des Gehirns fördern.


Indikation:
innerlich: adstringierend-zusammenziehend, antiphlogistisch-entzündungswidrig, antipyretisch – fiebersenkend, Immunsystem stabilisierend, Gehirn durchblutungsfördernd.
äußerlich: adstringierend, wundheilend

Kontraindikation:
Wirkt abstillend und stopfend

Inhaltsstoffe:
Gerbstoffe (10 % bis 20 %), Flavonolglykoside, Zimtsäure, Stilbenderivate, Steroide, Triterpensäuren (Alnulin, Protaenulin), Anthrachinone, Zucker, Harzsäuren.

Kommission E:
Negativ-Monographie

Darreichungsform – Anwendungen
äußerlich: als Gurgelmittel durch Abkochung der Rinde; als Waschlotion, Umschlag, Sitzbad, als Blättertee zur Auflage der Brüste (abstillen).
innerlich: Tee Blätter und der Rinde, als Tinktur der Gemma (Blattknospen) als Spray mehrmals täglich in den Mund gesprüht.
Gemmo Mazerate können in der Apotheke als GEMMO Alnus glutinosa D 1 Mundspray gekauft werden.

Kulinarisches:
In der Wildkräuterküche schmecken die jungen Blätter, Knospen, Kätzchen im Salat und im Smoothy.
Mit den Kätzchen gieße ich mir einen Tee auf. Er schmeckt sehr lecker, so wie ein feiner, junger grüner Tee.

Wichtig – zur Knospen- und Kätzchen - Ernte bitte ich Euch darum, nachhaltig zu sammeln. D. h. bitte denkt daran, dass aus den Knospen Blätter werden, die der Baum braucht und auch nicht alle Kätzchen abernten. Immer nur so viel wie man benötigt. Die Knospen sind sehr gehaltvoll.

Schwarzerlen 15.02.17 041

Ich wünsche euch eine gute Gesundheit

Herzliche Kräutergrüße eure Kräuterfrau
Niseema Dorothea Broos
Kräuterpädagogin® Volksheilkunde

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