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Pflanzengeschichte zur Jahreswende 2018/2019

ilex im schnee

 

Die Stechpalme, Ilex Aquifolium, auch Winterbeere, Christdorn, Hülsdorn, Stechhülsen, Winterbeeren, Schradler,
keltisch Kolenno, Pflanzenfamilie der Stechpalmengewächse – Aquifoliaceae

Die Stechpalme ist mit dem Mateteestrauch oder auch Mate Baum aus Südamerika verwandt, sie ist die einzige Gattung ihrer Art, die hier in Westeuropa gedeiht. 

Sie liebt das atlantische feuchte Klima, darum findet man sie auch selten in Osteuropa.

Da dieser Strauch immer seine grünen, spitzen, stacheligen Blätter trägt (sie werden drei Jahre alt), gehört er zu den keltischen Druidenpflanzen, wie Nieswurz, Efeu u.a., die ohne Winterruhe auskommen.

Der Ilex blüht zwischen Mai und Juni und es befinden sich an unterschiedlichen Pflanzen weibliche und männliche kleine weiße Blüten mit vier Blütenkronblättern in den Blattachsen der Pflanzen.
Bienen sind die Bestäuber. Ab November erfreuen wir uns ihrer leuchtend glänzenden, blutroten Früchte. Vier Kerne finden wir in ihren Inneren.
Die Vögel vor allem Amseln, ernähren sich von diesen Früchten. Sie sorgen somit für die Ausbreitung der Stechhülsen. Für uns Menschen und auch Säugetieren sind sie aber giftig.

Dieser Strauch ist schon ein wunderbarer Anblick in der winterlichen Landschaft. Hier in Urft gibt es eine kleine Ilex-Oase mitten im Buchenwald. Da es im Moment im Wald sehr licht ist und die Stechpalme die einzig grünblättrige Pflanze außer dem Efeu ist, leuchten die roten Früchte schon aus weiterer Entfernung.

Jetzt kennen wir den Lieblingsstandort der Stechpalme, nämlich in Laub- und Buchen-Tannenwäldern fühlt sie sich wohl. Aber nur wie bereits gesagt im feucht milderen atlantischem Klima.
So wächst in Frankreich an der Atlantikküste und in England vermehrt die Stechpalme.

Hier in Deutschland steht die Winterbeere unter Naturschutz, das sei noch erwähnt.

Unsere keltischen Vorfahren verehrten den Vegetationsgott, den grünen Winterkönig, der mit einem Kranz aus Stechpalmen geschmückt ist.
Dieser bewahrt das Lebensgrün im immergrünen Strauch des Ilex. Er paart sich im Winter mit der goldschopfigen Sonnengöttin Ysolde.

Der Eichenkönig war übrigens der sommerliche Vegetationsgott, er verlor im Winter sein grünes Laub.

So kam es, dass unsere keltischen Vorfahren beim Wintersonnenfest, ihre Häuser Stechhülsen, Mistel und Efeu schmückten und das ist noch bis zum heutigen Tag in England der Fall.

Die Christianisierung änderte nichts an diesem Brauchtum, denn aus dem Kranz des grünen Winterkönigs wurde der Dornenkranz Christi und die roten Früchte sind sein Blut.
Die Pflanze nannte man dann Christusdorn. In manchen Gegenden Österreichs und Süddeutschlands heißt das Bäumchen Schradllaub oder Schrattlebaum.
Man pflanzte den Schradler auf den Friedhof, damit er die Schratten, die Nachtteufel fernhielt. Er hatte also Zauberkräfte.

Schornsteinholz oder Schürrüte hieß der Ilex im Rheinland, man fegte damit die Kamine und Feuerstellen. Rauchfänge waren die Öffnungen der Vorfahren und Geister. Diese Ein-und Ausgänge mussten sauber gehalten werden und zwar mit einem entsprechenden magischen Besen.

Aber kommen wir nun zum Weihnachtsfest, welches in England ohne den Holly, den Christdorn nicht denkbar wäre, denn hier spielt der Ilex eine ähnliche Rolle wie bei uns jetzt der Weihnachtsbaum. Ilex Zweige, Mistel und Lorbeerwerden am Kamin aufgehängt.
Der Holly wird in so manchen englischen Weihnachtsliedern besungen.

Das harte Holz der Stechpalme wurde zu Schnitzarbeiten wie Spazierstöcke und Hammerstiele verwendet. Eine traditionelle englische Teekanne hat einen Griff aus Holly-Wood.

Merkt ihr was, Hollywood. Ja diese berühmte Filmstadt wurde nach dem Ilex benannt. Hollywood heißt Stechpalmenholz.

 

 Stechpalmenfrüchte

Volksheilkundliches:

Volksheilkundlich hat diese Pflanze keinerlei Bedeutung. Sie gehört zu den Giftpflanzen.

Ob die Kelten sie zu Heilzwecken benutzt haben ist nicht überliefert. Lediglich in der Antike wurden wohl die Blätter bei Gelenkproblemen, die Beeren bei Verdauungsbeschwerden, Galleprobleme oder gegen die Ruhr angewandt.

Im 16. Jahrhundert setzte der englische Apotheker Nicolas Culpeper Blätter und Früchte gegen krankmachende Körpersäfte ein.

In der Homöopathie findet Ilex bei Rheuma, Gicht und als harntreibendes Mittel Anwendung.

Vor dem Verzehr der roten Früchte ist zu warnen. Bereits zwei davon können Erbrechen, heftige Bauchschmerzen und Durchfälle hervorrufen.
Zu den Vergiftungserscheinungengehören auch Herzrhythmusstörungen.

Zwanzig bis dreißig Früchte sind lebensbedrohlich, führen sogar bei größeren Säugetieren zum Tod.

Die Stechpalme ist eine Pflanze, die ein Symbol für Leben und Hoffnung ist. Aber sie kann auch das Leben nehmen.

ilexbusch

 

 Fotos copyright Licht und Kräuter
Niseema Dorothea Broos

 

 

Herzliche Kräutergrüße eure Kräuterfrau
Niseema Dorothea Broos
Kräuterpädagogin® Volksheilkunde

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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